Wednesday, May 23, 2007

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Buchbesprechung von Caterina aus Lübeck

Sue Hubbell

Ein Jahr in den Ozark Mountains

Ich habe gerade dieses Buch gelesen und bin ganz eingetaucht in die wunderbaren Naturbeschreibungen und das Landleben in den Ozarks. Sue Hubbell hat einen ganz eigentümlichen, ruhig gelassenen Stil gefunden über die Tiere, Pflanzen und auch die Menschen ihrer Umgebung zu schreiben.

Haben Sie schon einmal den sanften, aber deutlichen Wind gespürt, wenn sechzigtausend Bienen per Flügelschlag den Wassergehalt ihres Nektars zum Verdunsten bringen? Wußten Sie, dass Fledermäuse sich nicht nur untereinander, sondern auch mit Nachtfaltern – also ihrem Abendessen- unterhalten? Daß brave Haushunde sich in Kojotinnen verlieben können? Daß graue Laubfrösche, wenn sie sich unter Ihr Bett verirrt haben, verwunschene Prinzen sein können?

Als nach dreißig Jahren ihre Ehe zu Ende ging, saß Sue Hubbell plötzlich allein auf ihrer Bienenfarm in den Ozark Mountains, im nördlichen Missouri. Die Natur, die sie umgab, bedeutete nicht nur Trost – und viel Arbeit -, sondern vor allem eines. sie zeigte Sue Hubbell, wie faszinierend logisch sie eingerichtet ist und dass es nur darum geht, seinen Platz darin zu finden. Mit lakonischem Humor und glasklarer Sprache berichtet Sue Hubbell von ihren fünf Jahreszeiten auf dem Land und öffnet uns die Augen für dessen Schönheit, Poesie und manchmal fast komisch anmutende Perfektion.

Ein Jahrbuch der besonderen Art : Sue Hubbell, ehemals Bibliothekarin in Toronto, jetzt Bienenzüchterin auf einer einsam gelegenen Farm im nördlichen Missouri, gelingt es mit diesem persönlichen, gleichzeitig so universellem Buch, uns für Dinge in der Natur zu faszinieren, die wir zuvor nicht einmal wahrgenommen haben.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch, der eigentlich eher untypisch für das gesamte Buch ist, aber sehr schön Sue Hubbells Einstellung zum Leben aufzeigt. Anhand ihrer Erlebnisse und Beobachtungen in der Natur reflektiert sie immer wieder auch ihr eigenes Dasein:

Manchmal frage ich mich, wo wir älteren Frauen unseren Platz im sozialen Gefüge haben, nachdem das Nestbauen seinen Reiz verloren hat. … Es gibt so viele von uns, dass man versucht ist, von einer Klasse zu sprechen. Unsere fruchtbaren Jahre haben wir hinter uns. Die Männer wollen uns nicht mehr, sie ziehen jüngere Frauen vor, und biologisch ist es auch sinnvoll, dass männliche Wesen sich zu weiblichen hingezogen fühlen, die noch fortpflanzungsfähig sind und ein Nest bauen wollen. Das nimmt uns zwar die Möglichkeit, uns in den Freuden und der Intimität der Paarung zu verlieren, aber dafür haben wir uns selbst gefunden. Und noch etwas Wertvolles besitzen wir: Zeit, oder zumindest ein Bewusstsein der Zeit.

Wir leben lange genug und haben genug erlebt, um auf mehr als nur intellektuelle Weise zu begreifen, dass wir sterben werden. Wir haben gelernt, im Bewusstsein unserer Sterblichkeit zu leben, und treffen unsere Entscheidungen mit Bedacht, weil wir sie nicht noch einmal treffen können. Für uns hat die Zeit ein Ende; sie ist kostbar, und wir wissen um ihren Wert.

Ja wir sind viele, aber wir sind so verschieden, dass mir bei einer soziobiologischen Analyse nicht wohl ist; die Lösung ist, vermute ich, eine persönliche, individuelle. Die Zeiten sind günstig für eine erwachsene Frau mit ihrer Individualität, ihrer Kraft und ihren Marotten. Wir sind wunderbar frei. Wir leben lange. Unsere Kinder sind zu den selbständigen Erwachsenen geworden, zu deren Entwicklung wir beigetragen haben; unsere Liebe wollen sie vielleicht noch, aber unsre Fürsorge brauchen sie nicht mehr.

Die gesellschaftlichen Regeln sind heute so flexibel, dass nichts, was wir tun, Anstoß erregt. Auch politische Barrieren gibt es für uns nicht mehr. Sofern wir gesund bleiben und in der Lage sind, für uns selbst zu sorgen, können wir alles tun, alles haben und unsere Fähigkeiten einsetzen, wie es uns beliebt.

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